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Du trauerst, ich trauere....

  • Autorenbild: Ulrike Schöllhorn
    Ulrike Schöllhorn
  • vor 7 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

...aber wir trauern nicht gemeinsam. Das höre ich nicht selten in meinen Beratungen. Sehr berührend fand ich ein junges Paar, das sich entschieden hatte, das werdende Kind im Bauch nicht austragen zu können. Trotz ihrer gemeinsamen Entscheidung, die bereits ein Jahr zurücklag, waren beide mit der Trauer darüber, dass das Kind nicht auf die Welt kommen konnte, beschäftigt.

Sie erzählte, wie sie oft noch dasäße und weine und sich in solchen Momenten wünsche, dass sie von ihrem Partner gehalten wird. Einfach für sie da sein, einfach halten und warten, bis ihre Tränen wieder versiegt sind- auch wenn das manchmal einen halben Tag dauern kann. Aber, so berichtete sie, er laufe dann einfach weg. In sein Zimmer oder schnappt sich das Handy- taucht ab, in eine andere Welt. Und dann ist er für sie nicht mehr erreichbar. Sie muss alleine trauern, rutscht an ihm ab, als sei er selbst nicht existent. Und das Schlimmste: sie spürt ihn nicht. Nicht, ob er sich schuldig fühlt, ob ihm das gemeinsam verstorbene Kind fehlt oder nicht, ob er trauert oder ihm einfach alles gleichgültig ist. Sie tappt im Dunkeln.


Er schwieg, als sie das alles erzählte. Dann sagte er: "Doch, ich trauere auch, aber ich zeige es nicht. Ich kann es nicht zeigen. Ich gehe anders damit um."

Danach entstand eine bleierne, hilflose Stille. Dann erzählte er: "Ich bin mit 12 Jahren von Zuhause abgehauen, weil ich es nicht mehr ertragen habe. Ich habe alle Spuren verwischt, damit sie mich nicht finden können. Und ich habe meine Eltern bis heute nie wieder gesehen!"


Wie wird es mit diesen beiden weitergehen? Sie trauern beide um das Kind, das durch all die verworrenen Umstände nicht auf die Welt kommen konnte. Sie möchten alles gut und richtig machen. Es sind zwei wunderbare Menschen, die einfach nur gut leben und gute Eltern sein möchten. Aber sie haben gelernt mit Widrigkeiten umzugehen, die ihnen in ihrer Beziehung im Wege stehen. Was ist, wenn die Trauer keinen Raum bekommt und überhaupt die Emotionen nicht zu viel Raum einnehmen dürfen, aus Angst, wieder verletzt zu werden?

Es klingt erst einmal aussichtslos. Doch die beiden sind auf der Suche, geben nicht auf und stellen sich all den Herausforderungen, wenn ich sie in ihren Paargesprächen begleite. Sie werden noch entdecken, dass die Trauer unterschiedlich gelebt werden und gleichzeitig Raum bekommen darf.

Sie werden noch entdecken, dass die Trauer ihnen hilft, sich aufeinander zuzubewegen und auch das ungeborene Kind einen Platz erhält. Die beiden sind stark- und wunderbar!


 
 
 

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